Die Bergwelt
– abseits der Touristenströme –
ist phantastisch!
Mein Freund Robert, aus dem kleinen Dorf Schluderns in Südtirol, ist - so wie ich auch - ein ganz wilder Berg(be)steiger. Wir hängen nicht an Seilen an der Wand, sondern besteigen und erklettern auf unwegsamen Routen die Gipfel rings um das Ortler-Massiv und die Ötztaler und Schweizer Alpen, die an den oberen Vinschgau angrenzen. Wenn meine Frau Lust und Laune hat, geht sie mit. Ganz besonders eindrucksvoll sind die Touren auf solche Gipfel, zu denen sich nur ganz selten einmal ein Bergwanderer hin verirrt. Das ist beispielsweise die 3200 Meter hohe Remsspitze, die als Schludernser Hausberg angesehen wird, allerdings vom Ort aus überhaupt nicht zu sehen ist! Aber auch die großen Gletschertouren, zum Beispiel auf den Hohen Angelus oder zum 3700 Meter hohen Cevedale sind unvergleichlich schön.  Unser "Hausberg" ist die 3300 m hohe Tschenglser Hochwand, die fast senkrecht über dem 1400 Meter tiefer liegenden Vinschgau herausragt und fast jedes Jahr bestiegen wird. Die Aussicht ist grandios, bei guter Sicht bis weit in die Dolomiten hinein. Wir haben aufgehört zu zählen, wie oft wir über die Kletterroute diesen Berg bei allen möglichen Wetterlagen von Sulden aus (ohne Seilbahnhilfe!) bestiegen haben. 

Als die Kinder etwas bergerfahrener wurden, planten wir regelmäßig eine Hüttenwanderung oder einen stationären Hüttenaufenthalt ein. Die Sesvenna-Hütte, 2300 m hoch zur Schweizer Grenze hin gelegen, war vor allem für die Kinder ein bevorzugter Standort.
Lange Zeit hielt ich es nicht für erstrebenswert, auf die "höchste Spitz im Tiroler Land" (wie es in einer alten Chronik heißt), auf den 3900 m hohen Ortler zu gehen. Aber dann habe ich mich doch entschlossen, zusammen mit Robert und einem Bergführer den Ortler zu besteigen. Die Tour von der Payer-Hütte aus war ein schönes Erlebnis, das Wetter war phantastisch.

Daneben gibt es jede Menge Kultur und Geselligkeit im Venschgau zu erleben. Wenn man sich für romanische Kunst interessiert, dann ist man in dieser Ecke Südtirols bestens aufgehoben.
Da macht es gar nichts, wenn die Wolken ausnahmsweise mal tiefer hängen.

Zur Kultur haben Robert und ich auch selbst etwas beigetragen: Fast jedes Jahr gaben wir irgendwo ein Konzert, wobei mir der Orgelpart zufiel, während Robert die Tenorsoli übernahm. Das gehört nun auch schon der Vergangenheit an. Geblieben sind die gemeinsamen Wanderungen, wobei ich, im Gegensatz zu Robert, der sportlich sehr aktiv ist, das Alter beim Kraxeln merke... Es geht nicht mehr so schnell vorwärts wir vor einigen Jahren.
Schade, daß die Entfernung zu diesem schönen Fleckchen Erde über 700 km beträgt.

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